Esstörungen

Essstörungen

Essstörungen stellen neben den Depressionen und Angststörungen die wichtigsten psychischen Krankheiten bei Patienten mit Diabetes mellitus dar. Neben den klassischen Essstörungen Anorexia nervosa (Magersucht) und Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht) ist v. a. die so genannte „Binge-Eating-Störung“ (Heißhungerattacken ohne gegensteuernde Maßnahmen wie Erbrechen etc.) von Bedeutung. Im Hinblick auf die Stoffwechseleinstellung können alle Formen gestörten Essverhaltens einen negativen Effekt haben.

Die Anorexia nervosa ist eine seltene Erkrankung und tritt bei Diabetikern nicht häufiger als bei Stoffwechselgesunden auf. Bei der Bulimia nervosa ist in den letzten Jahrzehnten eine deutliche Zunahme zu beobachten, ca. 3 bis 6% junger Frauen mit Diabetes leiden an dieser Essstörung. Mindestens 90% aller Diabetiker mit einer Anorexia oder Bulimia nervosa sind Frauen. Junge Frauen mit Diabetes und einer Anorexia oder Bulimia nervosa nehmen nicht selten bewusst Insulinreduktionen vor, um mittels der nachfolgenden Ausscheidung des Zuckers über die Nieren Kilokalorien bzw. Gewicht zu verlieren. Dieses „Insulin-Purging“ kann auf Dauer zu erheblichen Folgeschäden führen.

Die Binge-Eating-Störung ist insbesondere für Typ-2-Diabetiker von Bedeutung, da sie in der Regel mit Übergewicht und Adipositas einhergeht. Der Anteil an erkrankten Männern beträgt hier mindestens 30%. Bei jungen Mädchen mit Diabetes mellitus liegt im Vergleich zu stoffwechselgesunden Gleichaltrigen häufiger ein gestörtes Essverhalten vor, das zwar nicht alle Kriterien (z.B. einer bulimischen Essstörung) erfüllt, welches aber (z.B. durch Heißhungerattacken) ein erhöhtes Risiko für eine Entgleisung des Stoffwechsels und die Entwicklung von diabetischen Spätschäden beinhaltet. Auch hier kann man mit erprobten verhaltenstherapeutischen Maßnahmen die Essstörung behandeln. Es wird dabei immer auch auf die Auswirkungen jedes Verhaltens auf den Diabetes geachtet.