Angsstörungen

Angststörungen

Angst ist eine völlig natürliche und - ähnlich dem Schmerz - evolutionär sinnvolle Reaktion auf das Empfinden einer Bedrohung. Angststörungen bzw. unterschwellige Ängste im Zusammenhang mit der Diabetesbehandlung können die Ursache für eine schlechte Stoffwechseleinstellung sein. Angststörungen im Sinne einer übertriebenen und häufig oder dauernd auftretenden Angst sind bei Diabetikern im Allgemeinen nicht häufiger als bei der sonstigen Bevölkerung. Bestehen bei Menschen mit Diabetes Angststörungen, haben sie teilweise einen engen Bezug zu der Krankheit. Ängste vor Folgeerkrankungen und Unterzuckerungen (Hypoglykämien) stellen die beiden stärksten krankheitsspezifischen Belastungen im Zusammenhang mit der Diabetestherapie dar.

Ängste vor Hypoglykämien

Typisch für Patienten mit einer Angst vor Hypoglykämie ist eine schlechte Blutzuckereinstellung, d.h. sie versuchen sich durch zu hohe Blutzuckerwerte vor Unterzuckerungen zu schützen. Hypoglykämieängste erschweren daher in der Regel eine normnahe Blutzuckereinstellung erheblich. Einige Patienten zeigen in der Folge ein Vermeidungsverhalten, d.h. sie verlassen aus Angst vor einer Unterzuckerung nicht mehr allein das Haus oder meiden bestimmte Orte und Aktivitäten. Tritt zusätzlich eine ängstliche Anspannung bzw. Erwartung auf, spricht man von Erwartungsangst. Damit wären im klinischen Sinne die typischen Merkmale einer Angststörung erfüllt, die dann auch eine entsprechende Aufklärung und Behandlung erfordert.

Andere Patientinnen entwickeln sogenannte dependente Verhaltensmuster, d.h. sie klammern sich an einen Partner oder die Eltern, da sie sich mit der Diabetes-Therapie oder möglichen Unterzuckerungen überfordert fühlen. Dies kann zu erheblichen Belastungen in der Partnerschaft beitragen.

Ängste können somit zu Einschränkungen in den verschiedensten Lebensbereichen und einer erheblich reduzierten Lebensqualität führen.

Mit speziellen verhaltenstherapeutischen Verfahren kann eine effektive Verbesserung dieser Situation erzielt werden. Ziele der Behandlung sind eine Verringerung der Angst vor Hypoglykämien, eine Optimierung des persönlichen Umgangs mit Hypoglykämien sowie eine Bewältigung von angstauslösenden Situationen.

Ängste vor Folgeerkrankungen

Angst ist eine normale Gefühlsreaktion auf Gefahren, die man schwer abschätzen kann und von denen man nicht weiß, wie man sie vermeiden oder sich gegen sie wehren kann. Die Entwicklung von Folgeerkrankungen stellt ein reales Risiko bei einer langen Diabeteserkrankung dar. Insofern ist Angst vor Folgeerkrankungen ein normaler Vorgang. Man weiß zwar, dass man durch eine gute Diabetestherapie die Risiken mindern kann, aber einen sicheren Erfolg kann einem niemand garantieren. Die Angst wird bei chronischen Erkrankungen nicht von jedem Menschen gleich empfunden. Die meisten sagen, im Hintergrund sei sie stets vorhanden. In bestimmten Situationen tritt sie eine Zeit lang mehr in den Vordergrund (z. B vor der Routinekontrolle beim Augenarzt) und nimmt dann von allein wieder ab. Diese ist eine Form der gesunden Angst.

Viele Menschen mit Diabetes fühlen sich jedoch von Folgeerkrankungen massiv bedroht. Sie reagieren ganz unterschiedlich auf diese Bedrohung. Einige sind ständig um ihre Blutzuckerwerte und um eine gute Stoffwechsellage besorgt. Sie schränken sich wegen des Diabetes stark ein. Andere wiederum resignieren sogar. Für sie stellen die Ängste vor Folgeerkrankungen eine große Belastung und eine Einschränkung ihrer Lebensqualität dar. Wenn diese Angst zu stark und dauerhaft wird, dass sie das Leben bestimmt und einschränkt, sollten sie sich psychotherapeutische Hilfe suchen. Mit speziellen verhaltenstherapeutischen Verfahren kann eine effektive Verbesserung dieser Situation erzielt werden.